Willi-Sitte-Galerie
Merseburg . Domstraße 15
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Anmerkungen zur Kunstrichtung

des Malers Willi Sitte


Der Maler Willi Sitte hat die Bildkunst eines halben Jahrhunderts in der DDR mitgestaltet. Mit der Teilnahme an der “documenta 6” in Kassel 1977 sowie durch eine Reihe vorangegangener Personalausstellungen wurde die Bedeutung seines Werkes in ganz Deutschland bewusst. 

Entstanden ist ein umfangreiches künstlerisches Werk, das sich zum einen bekenntnishaft mit Zeit und Zeitgeschichte auseinandersetzt, auf der anderen Seite aber auch natürliche Sinnlichkeit und Lebensfreude spiegelt. 

Von der Zeichnung kommend hat sich Willi Sitte systematisch und mit großer Konsequenz dem Malen zugewandt.

Der Mensch in seinen verschiedenen Ausdrucksformen ist ihm ständiger Anreiz zum Arbeiten.
Immer wieder geht es ihm um eine klare figürliche Darstellung, bei der malerischer Gestus und Farbigkeit den Betrachter berühren. Er besitzt eine besondere Fähigkeit bei der Darstellung von Bewegung, Bewegungsabläufen und hat das im Futurismus häufig angewandte Simultanbild weiterentwickelt.

Im dem er einzelne unterschiedliche Phasen, die eigentlich nacheinander bei einer Bewegung zustande kommen, transparent übereinander legt, ergibt sich beim Betrachter unter Einschaltung der eigenen Phantasie so etwas wie ein Ablauf in der Zeit. 

Im besonderen Maße beherrscht Willi Sitte das bildhafte Erfassen der menschlichen Figur in den verschiedenen Haltungen, Perspektiven, Verkürzungen und Drehungen, Zueinanderordnungen und komplizierten Überlagerungen.

Der 1921 in Kratzau (heute Tschechien) geborene Maler hat nach dem Besuch der Kunstschule des Nordböhmischen Gewerbemuseums Reichenberg seine künstlerische Ausbildung an der Hermann-Göring-Meisterschule für Monumentalmalerei in Kronenburg (Eifel) bei Werner Peiner fortgesetzt, ehe er dann - ausgelöst durch eine von ihm und Mitstudenten verfasste Petition gegen die Ausbildungsmethoden der Schule - von 1941 bis 1944 Kriegsdienst leisten musste.
Als Konsequenz seiner Ablehnung des Faschismus schloss er sich 1944 einer italienischen Partisaneneinheit an.

Nach dem 2. Weltkrieg hat er schließlich in Halle seinen Wirkungskreis gefunden. Hier etablierte er sich schnell als Zeichner und Maler und wirkte bereits ab 1951 an der Kunstschule Burg Giebichenstein als Lehrbeauftragter, später Professor (1959). An der 1958 zur Kunsthochschule beförderten Bildungseinrichtung lehrte er bis zu seiner Emeritierung 1986.

Sein Hauptfeld war die Malerei und Zeichnung. Aber er setzte sich an der Burg auch für die Textilkunst ein. Zusammen mit Frau Prof. Glauche wurde die Hochweberei erneut etabliert. Als Hochschullehrer und Akademiemitglied lag ihm die Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses am Herzen. Dabei ging es ihm darum, bewusst zu machen, dass Grundfertigkeiten künstlerischer Gestaltung und ein dazu nötiges handwerkliches Wissen und Können Basis jeder anspruchsvollen Äußerung im Bereich der bildenden Kunst sind. 

Professor Willi Sitte gehört zu den Künstlern, die konsequent ihren eigenen Weg gegangen sind. Seine zeitweise oder mitunter auch andauernde Begeisterung für die Meister der Renaissance sowie Künstler der klassischen Moderne lässt sich in manchen seiner Arbeiten wiederfinden, aber immer so, dass es als ein Baustein in das eigene Wollen, die eigene Kunstvorstellung eingefügt wurde. Besonders die große Fülle der Zeichnungen zeigt wie das Spontane der Bildfindung mit großer Meisterschaft zur Vollendung geführt wird.

Willi Sitte hat neben den großen Themen, die ihn über Jahre beschäftigt haben wie Krieg, Faschismus, Unterdrückung von Minderheiten, immer fast seismografisch die Lebensäußerungen und Denkweisen seiner Zeitgenossen in Bildern, Zeichnungen und Grafiken verfolgt. Dabei bilden genaue Beobachtung und kritische Auseinandersetzung eine Einheit.

Dr. Hans-Georg Sehrt
Kunsthistoriker